Unser letztes Horizons Unlimited...

… für zwei Jahre. Wir waren dieses Wochenende am Horizons Unlimited Festival in Meierskappel. Ein Weltenbummlertreffen, das es in verschiedenen Ländern gibt. Dort treffen sich Menschen, die unterwegs waren, die gerade unterwegs sind oder es geplant haben. Zur letzten Gruppe gehören meine Freundin und ich, denn nächstes Jahr geht es nach Südamerika. An diesem Treffen gibt es Reisevorträge und nützliche Workshops, alles rund ums Reisen.

Die Vorfreude darauf war gross, aber es gab auch einen Grund, wieso ich dieses Treffen sehnlichst erwartete. Wir entschieden uns im Frühling, dass wir dies nun durchziehen werden, und informierten unsere Arbeitgeber und Freunde. Neben freudigen Rückmeldungen hörte man oft auch, was alles schiefgehen könnte und ob wir uns das gut überlegt haben. Daher brauchte ich unbedingt ein paar hilfreiche und motivierende Tipps. Dafür ist das HU perfekt.

Wir reisten am Donnerstag an. Da dies unser drittes Mal war, kannten wir schon viele, die immer wieder hierherkommen, und wir waren einen Moment mit Hallo sagen beschäftigt. Erstaunlicherweise waren wir neben den Organisatoren die einzigen Schweizer, was ziemlich cool war. Der Zeltplatz in Meierskappel, wo wir für drei Tage verweilten, ist auf einem Bauernhof. Dazu gehörte eine Scheune und in dieser Scheune fanden die Vorträge statt. Was bei dem Regen perfekt war. Um halb neun abends ging es los. Alle wurden willkommen geheissen, worauf der erste Vortrag folgte. Eva erzählte von ihrer Tour durch den Iran. Sie war jedoch nicht allein, sie wurde von ihrem Hund im Seitenwagen begleitet. Alles ist möglich, das werden wir an diesem Wochenende noch ein paar Mal erleben.

Das Freitagsprogramm begann erst um halb elf und so hatte ich noch etwas Zeit, mir die Motorräder auf dem Campingplatz anzuschauen. Eines fiel mir gleich auf, eine Honda CT125 aus England! Wie gesagt, alles ist möglich. Um 11 Uhr 30 startete das Programm mit einem Workshop. Der Electronic Workshop von Filipo. Man muss sich das wie folgt vorstellen: Filipo erklärt das Wichtigste über die Elektronik an einem Motorrad und man kann Fragen stellen, aber auch kommentieren und unterstützen. Kurz gesagt: ein freiwilliger interaktiver Workshop. In einem anderen Workshop erzählte nicht nur eine Person, sondern alle konnten ihre Gadgets und Werkzeuge, die sie auf dem Motorrad mit dabei haben, präsentieren. Ein Stuhlkreis der angenehmen Art.

Der Nachmittag war wiederum voll mit Vorträgen von den Amerika mit Eva, über die Seidenstrasse mit Rita, nach Australien und Neuseeland mit Xenia und Tinu. Nach jedem Vortrag wurde unsere Vorfreude auf unsere Reise grösser und, was ganz wichtig ist, der Optimismus wurde ebenfalls grösser. Zwischen den Vorträgen quatschten wir mit den Leuten und lauschten ihren Erfahrungen. Am Abend regnete es noch immer und wir assen alle zusammen Pizza in der Scheune.

Am Samstag gab es nicht nur Workshops und Vorträge, es gab auch eine Ausfahrt. Wer also schon etwas müde vom Zuhören war und noch gerne etwas von der Schweiz sehen wollte, setzte sich aufs Bike und folgte Marco.

Wir blieben jedoch auf dem Campingplatz und schlossen uns um 11 Uhr dem Workshop mit dem Namen «Roundtable: preferred travel destinations» an. Wie so oft wussten wir nicht, was uns erwartet, aber wir waren gespannt und motiviert, Neues zu erfahren. Es war wieder ein Stuhlkreis oder besser gesagt, ein Campingstuhlkreis Workshop. Ich muss ehrlich sein, ich hätte nach meiner Ausbildung zum Sozialpädagogen nie gedacht, dass ein Stuhlkreis so beruhigend sein kann. Es wurde erzählt, wie man in unterschiedliche Länder einreist und was es dafür benötigt, wie man mit korrupten Polizisten umgehen soll (Geduld ist kostenlos, mein Tipp aus dieser Runde) oder welches Kartenmaterial man verwendet. Da wir die einzigen im Campingstuhlkreis waren, die vor einer Reise standen, wurden auch viele nützliche Infos über Südamerika geteilt.

Am Nachmittag wurde es wieder technisch. Filippo erklärte, wie man Reifen flickt. Hier gab es wiederum viele nützliche Tipps der Teilnehmer. Die Gadgets aus dem Workshop vom Freitag fand man in diesem Workshop wieder. Ich konnte einiges lernen, denn Wüste und heimische Werkstatt sind zwei Paar Schuhe. Nun waren wir schon den dritten Tag hier, es kamen immer mehr Motorradfahrer und wir waren schon lange nicht mehr die einzigen Schweizer. Durch den Workshop «Roundtable: preferred travel destinations» wussten nun alle, wohin wir wollten. Es entstanden unzählige Gespräche und die Notizen wurden immer mehr. Guido zum Beispiel war sechs Jahre unterwegs, er durchfuhr alle Kontinente. Als er zurück in Europa war, merkte er, dass er ja nun die Welt gesehen hatte, aber nicht Europa. So fuhr er noch durch Europa und war so in 100 Ländern. Wenn man so jemanden vor einer Reise trifft, ist das Gold wert. Später lernten wir auch Jasmin und Michel kennen. Sie sind in unserem Alter und waren im letzten Winter zu zweit in Südamerika. Leider schafften wir es am Freitag nicht, uns zusammenzusetzen, dazu später mehr. Auch Judith, die einen Vortrag über Nepal hielt, war in Südamerika unterwegs, alleine mit einer Suzuki DRZ. Sie klärte uns darüber auf, dass wir uns, wenn wir uns nach dem Weg erkundigen, nicht immer auf die lokale Bevölkerung verlassen können. Die Leute sagen schnell einmal ja, wissen aber gar nicht, wohin man will, da sie nicht mehr als ihre nähere Umgebung kennen. Am schlimmsten sei es in Indien oder Nepal. Man bekommt vielleicht ein Ja, der Kopf wackelt aber so, dass man nicht erkennen kann, ob es ein Kopfschütteln oder ein Nicken ist.

Vor den Abendvorträgen gab es noch ein Slowrace. Es wurde eine gerade Strecke auf der Wiese ausgesteckt, mit zwei Bahnen. Es fuhren immer zwei gegeneinander und es ging darum, wer zuletzt am anderen Ende ankommt. Der Name ist Programm. Nach dem Gruppenfoto ging es dann zu den Abendvorträgen. Wir starteten mit Judith in Nepal, weiter ging es mit Rasmus nach Mauretanien und zum Abschluss mit Thomas nochmals um die ganze Welt. Nach so viel Zuhören waren wir dann auch müde und legten uns ins Bett.

Es ist Sonntag und das HU ist vorüber. Doch wir hatten uns noch mit Michel und Jasmin zu einem Kaffee verabredet. Neben all den erfahrenen Weltenbummlern waren wir froh, Leute zu treffen, die im selben Alter waren und gerade die Reise hinter sich hatten, die wir geplant haben. So löcherten wir sie mit Fragen und konnten unsere Unsicherheit ein weiteres Mal verkleinern.

Meine Erwartungen wurden vollumfänglich erfüllt. Die Menschen, die man an einem solchen Ort trifft, sind unglaublich inspirierend, denn sie leben ihre Leidenschaft und das steckt an. Wir haben nun unzählige neue hilfreiche Kontakte, ob hier oder in Südamerika. Unsere anfänglichen Pläne wurden etwas durchgeschüttelt, dafür sind wir nun umso mehr motiviert und ich kann es kaum erwarten, mit den Vorbereitungen zu beginnen. Ich danke dem HU-Switzerland-Team fürs organisieren und freue mich jetzt schon auf das Treffen im 2028.




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