Was sich in der Beziehung mit meiner Freundin als das einzig Richtige erweist, ist im Zusammenhang mit Motorrädern völlig hinderlich und mühsam, die Monogamie. So kam es, dass ich schon früh in meiner Motorradkarriere nicht monogam lebte. Einige kamen und blieben, andere gingen wieder.
Durch mein Studium zum Sozialpädagogen musste ich auf die Bremse treten, denn auch in der Schweiz wächst das Geld nicht auf den Bäumen. Doch nun bin ich seit mehr als einem Jahr ausgebildet und Motoscout oder tutti punkt ch waren immer öfter in den meistverwendeten Apps auf meinem Handy. Doch es kam wieder einmal anders als gedacht.
Ein Kollege entdeckte eine alte Kreidler Florett und bat mich, sie anzuschauen und wenn möglich wieder herzurichten. Schon beim Abholen leuchteten meine Augen. Ich nahm sie also mit.
Der erste Blick bestätigte sich, als ich sie das erste Mal reinigte. Sie war in sehr gutem Zustand, wenig Rost, keine Beulen und abgesehen vom Innenleben des Scheinwerferlichts fehlte nichts. Nach der Reinigung war auch das Typenschild zu sehen, es ist eine Kreidler Florett TM K54 54 1CH und wurde 1970 gebaut. Wusstet ihr, dass dies damals das schnellste 50-ccm-Motorrad war? Sie fuhren damit 210 km/h!
Die Arbeiten begannen. Ich begann mit der Reinigung des Vergasers. Danach wechselte ich Zündkerze, Kabel und Stecker aus. Danach ging ich an die Zündung. Hier war zu sehen, dass der Unterbrecher schon ein paar Arbeitsjahre hinter sich hatte, er war schwarz und öffnete sich nicht mehr. Der Rest sah jedoch nach wie vor gut aus. Also wechselte ich den Unterbrecher. Nun kam der Teil, der mir etwas Mühe machte.
Ich musste die Zündung einstellen. Ein weiteres Mal zeigte sich Social Media von der guten Seite. Ich bekam unzählige Nachrichten, um mir dabei zu helfen. Dörig, ein Fasnachts und Motorradfreund, war einer davon. Trotz der Hilfe kriegte ich sie nicht zum Laufen. Dank der Motorfahrzeugkontrolle benötigten die Suzuki GS und das Honda Spacy mehr Aufmerksamkeit und die Florett wurde ins Lager verschoben. Nachdem die Spacy die Motorfahrzeugprüfung bestanden hatte und die Suzuki GS nicht, hatte ich wieder Zeit und Platz für die Florett.
Mittlerweile waren die Festtage da und Dörig hatte Zeit. Er und Mundä kamen vorbei, um mir bei der Zündung zu helfen. Für das, wofür ich mehrere Stunden brauchte, hatten die beiden zehn Minuten und die Florett lief. Was für eine Freude. Der Klang einfach nur herrlich. Das musste bei einem Bier gefeiert werden und schnell war klar, ich brauche dieses Motorrad.
Ich nahm meinen ganzen Mut zusammen und fragte meinen Kollegen, ob ich ihm dieses Motorrad abkaufen kann. Er sagte nicht gleich zu. Doch nach ein paar Tagen, ich lag krank im Bett, klingelte das Telefon. Mein Kollege war bereit, die Florett zu verkaufen. Ich war auf Wolke sieben, stolzer Besitzer der Kreidler Florett und gefühlt sofort wieder genesen. Nun muss noch einiges gemacht werden, aber ich freue mich jetzt schon, mit der Florett auf der Strasse unterwegs zu sein!
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