Der eine oder andere hat es vielleicht mitbekommen: Ich war vor Kurzem drei Tage auf der Rennstrecke in Mirecourt. Ich bekam öfter die Frage, wie so ein Tag dort eigentlich abläuft. Deshalb erzähle ich euch in diesem Beitrag, wie ein typischer Rennstreckentag ausgesehen hat.
Der frühe Morgen erinnerte an einen Campingplatz. Ich lag im Bus von Thomi und ging dann direkt zur Morgentoilette. Die sanitären Anlagen waren sehr sauber, und ich kam erfrischt wieder heraus. Danach ging es in unsere Box. Einige von den anderen saßen schon da. Nach dem „Guten Morgen“ kamen auch schon die ersten dummen Sprüche.
Bevor es zum Fahrerbriefing ging, kontrollierte ich mit Louis – mit ihm teilte ich mir das Motorrad, die Aprilia RSV Mille – die wichtigsten Dinge. Wir schalteten die Reifenwärmer ein, prüften den Luftdruck und tankten Benzin. Viel einzustellen gab es nicht. Dann ging es zum Fahrerbriefing.
Beim Fahrerbriefing wurde erklärt, was man machen muss, wenn auf dem Display (früher waren es Fahnen) bestimmte Farben erscheinen. Grün bedeutet Vollgas, Gelb heißt, dass man in diesem Streckenabschnitt vorsichtig fahren muss, und bei Rot soll man zügig und vorsichtig herausfahren. Es wurde außerdem darauf hingewiesen, dass es Coaches zum Hinterherfahren gibt, sowie einen Physiotherapeuten und einen Fotografen. Zu diesem Zeitpunkt stieg mein Puls langsam an.
Da Joel und ich in der langsamsten Gruppe waren, ging es für uns direkt nach dem Fahrerbriefing los. Das hieß: schnell in den Kombi und ab aufs Motorrad. Da ich oft – aber nicht immer – zu früh dran bin, musste ich jeweils am Ausgang der Boxengasse warten. Hier stieg der Blutdruck noch etwas weiter, aber auch die Vorfreude.
Dann stand ich ganz vorne in der Schlange, und es ging auf die Rennstrecke. Vor lauter Freude wurde das meist von einem kleinen Schreikonzert im Helm begleitet. Ich genoss jede Kurve. Wenn ich dann auch noch das Knie auf den Asphalt brachte, war es umso schöner. Auf den langen Geraden konnte ich mir die anderen Motorräder ansehen, denn mein Topspeed war nicht gerade beeindruckend.
Nach zwanzig Minuten kam die rote Flagge, und wir mussten raus. Nun waren die beiden schnelleren Gruppen an der Reihe. Das bedeutete für mich eine Stunde Pause, die ich nutzte, um die anderen vom Streckenrand aus zu fotografieren. Nach unzähligen Fotos und einer Stunde Pause durfte ich wieder auf die Strecke. Ich sah immer weniger Motorräder, was bedeutete, dass ich entweder schneller geworden war oder so langsam fuhr, dass mich niemand überholen wollte.
Nach den zwei Turns kam die Mittagspause. Wir kochten auf dem Gasgrill Nudeln mit Hirschhackfleisch und Tomatensauce. Ich nutzte die Zeit, um mir ein paar Tipps zu holen. Wenn nötig, half man auch mal jemandem beim Reifenwechsel. Wenn es gut lief, reichte die Zeit sogar für ein kurzes Nickerchen.
Dann ging es weiter mit den Nachmittags-Turns, die aus Zeitgründen teilweise auf fünfzehn Minuten verkürzt wurden. Ich konnte mich immer weiter verbessern, und irgendwann kamen sogar die Knieschleifer zum Einsatz. Auf den langen Geraden wurde ich immer seltener überholt. Das lag einerseits an meinem Können, aber auch an einem Tipp von Joel: Er meinte, ich solle doch Ohrstöpsel tragen. Dann höre ich das Motorrad nicht mehr so laut und fahre dadurch schneller. Es half tatsächlich so gut, dass der Tacho schließlich einmal 198 anzeigte. Keine Meilen pro Stunde!
Nach den Turns war man dann auch ziemlich erledigt und freute sich auf ein Fotoshooting, kaltes Bier und eine gemütliche Runde.
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