Voller Vorfreude auf den Tag stand ich am zweiten Tag der EICMA auf. Doch die Augenringe sind spürbar, nicht weil ich gestern noch an der Cocktailparty war, nein, weil ich danach noch bis in die Nacht hinein am Blog arbeitete. Somit zufriedene Müdigkeit. An solchen Tagen hält mich die bolligerische Energy wach. Die habe ich in Le Mans beim 24 Stunden Rennen entdeckt, als ich das Team Bolliger begleitete. Egal, wie müde ich bin, stimmt der Anlass, treibt mich die Stimmung an. Und die Stimmung an der EICMA ist sehr gut.
Anders als am Dienstag stehen heute weniger Pressekonferenzen an. In meinem Notizbuch standen noch einige grosse Namen wie Ducati, Honda, Royal Enfield oder Triumph. Diese musste ich heute noch besuchen. Einen weiteren Punkt nahm ich mir an diesem Tag auch noch zu Herzen: «geniessen».
Da der Stand von CF Moto grausam überlaufen war, schlimmer als bei BMW, versuchte ich es an diesem Morgen noch einmal, mit Erfolg. Mein Ziel war die V4 1000 SR RR. Eine Rennmaschine, die mich mit ihrem Aussehen beeindruckte. 997 ccm mit 210 Ps und 180 kg Trockengewicht. Die Winglets sind natürlich aktiv, die Bewegen sich selbständig, je nach Bremsvorgang.
Kurz bevor ich zu CF Moto wollte, traf ich Lukas von KSR, dem Importeur unter anderem von Royal Enfield. Wir quatschten kurz und ich wusste gleich, das wird meine zweite Marke heute Morgen. Eine Neuheit von Royal Enfield war mir bereits bekannt: die Himalayan 750. Sie ist mit einem 55 PS starken Parallel Twin Motor ausgestattet und wiegt 224 kg. Auf diese Testfahrt bin ich gespannt.
Dass bei Royal Enfield noch etwas anderes stehen würde, das meine Mundwinkel schlagartig nach oben ziehen würde, hätte ich nicht gedacht. Neben der Himalayan 750 stand noch die Royal Enfield Continental GT 750. Einmal unverkleidet und einmal mit einer Frontverkleidung. Die zweite Version liess mein Herz höherschlagen. So etwas finde ich einfach schön!
Am zweiten Tag der EICMA sind nicht nur Pressevertreter vor Ort, es gibt auch Fachbesucher. Das bedeutete, dass man etwas mehr, sogar viel mehr Geduld mitbringen musste. Ich bin nicht der Einzige, der das Gefühl hat, er würde die Motorräder ins rechte Licht rücken.
Um halb zwölf stand mein erster und einziger fixer Termin auf dem Plan, bei IXS. Ich werde von ihnen ausgerüstet und war gespannt, was sie Neues zu präsentieren haben. Gianni, mein Kontakt bei IXS, hatte in diesen Tagen einen vollen Zeitplan und so führte mich Christoph über den Stand. Die Venture Air, die ich besitze, funktioniert mit dem Schichtensystem. Das führt dazu, dass eine solche Ausrüstung nicht gerade billig ist. Christoph erklärte mir, was sie an der Jacke verändert haben, sodass sie 200 Euro billiger und für mehr Motorradfahrer erschwinglich ist. Gegen die Ausrede, Motorradkleider sähen uncool aus, hatte Christoph ebenfalls etwas zu zeigen. IXS entwickelte einen neuen abriebfesten Hoodie mit integrierten Protektoren und zeitgenössische Schuhe, die für Motorradfahrer verstärkt wurden. Zum Abschluss gab es einen kurzen Snack und ich machte noch ein paar Aufnahmen für euch.
Eine vielversprechende Marke fehlte mir noch: Honda. Auch der Stand war völlig überlaufen, und das aus gutem Grund. Honda stellte am Montagabend die neue Africa Twin und die neuen Fireblades vor. Auch ein seriennahes Motorrad mit einem Dreizylindermotor und Turbolader wurde präsentiert. Tolle Neuigkeiten aus Japan.
Der neue 1.131 ccm Motor der Africa Twin bringt 16 % mehr Leistung und fast 7 % mehr Drehmoment auf die Straße. Die Africa Twin gibt es in drei Varianten: Africa Twin, der Allrounder, Africa Twin Adventure Sports für lange Reisen und Africa Twin Enduro Sports für anspruchsvolles Gelände.
Honda präsentierte gleich drei neue Rennmaschinen, die CBR1000RR-R, CBR600RR und CBR500R FOUR. Bei der 1000er wurden 75 % der Bauteile erneuert. Sie hat neu 217 Ps. Unter anderem gibt es einen neuen Aluminiumrahmen, eine neue Schwinge und ein überarbeitetes Fahrwerk. Bei der 600er gibt es eine neue Frontverkleidung, neue radiale Nissin-Bremszangen mit den Modi Standard, Track und Race sowie ein überarbeitetes 5-Zoll-TFT-Cockpit.
Der Mittwochnachmittag ist traditionell dafür da, um nochmals durch alle Hallen zu laufen, offene Gespräche zu führen und vergessene Aufnahmen nachzuholen. Was ich auch tat.
Im Verlauf des Nachmittags traf ich mich noch mit Lukas von KSR, dem Importeur von Royal Enfield, am Stand von Royal Enfield. Ehe ich mich versah, befand ich mich in der Lounge von Royal Enfield und schlürfte einen Espresso. Ich stand oberhalb des Standes, genau dort, wo ich bis jetzt immer hochgeschaut hatte, und dachte: Was sind das für Menschen, die da eingeladen werden? Zur Sicherheit kniff ich mich in den Arm, was ich in den letzten beiden Tagen öfters tat, und es tat weh. Es war also kein Traum. Die 500er bringt einen neuen 500ccm- Motor mit 72 S, die E-Clutch und ein elektrischer Gashan mit.
Zum Schluss gab es noch eine Runde durch die ausgestellten Ducati Oldtimer. Ich denke hier brauchts keine weitren Worte!
Auf der Rückfahrt mit dem Bus zum Hotel traf ich wieder David und Pablo von der Cocktailparty des gestrigen Abends. David aus Spanien und Pablo aus Argentinien. Während der Rückfahrt gesellten sich noch Pedro aus Peru und Bjorn aus Südafrika zu uns. Alles Journalisten, richtige. Den Abend liessen wir dann bei einem Nachtessen in einer Pizzeria und in der Hotelbar ausklingen.
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