Es ist Mittwoch. Kurz vor sieben klingelt ein weiteres Mal der Wecker. Heute fällt das Aufstehen deutlich schwerer als in den letzten Tagen – ob das am gestrigen Feierabendbier liegt? Egal, die Motivation bringt mich aus dem Bett und ich mache mich auf den Weg zum Cateringzelt.
Heute ist kein Fahrbetrieb, die Motorräder bleiben stehen, und andere Klassen wie die Seitenwagen können auf die Rennstrecke. Das heisst aber nicht, dass es nichts zu tun gibt. Auf dem Plan stehen die technische Abnahme und die Parade in der Stadt Le Mans. Gleichzeitig wird alles für den morgigen Test und das Rennen vorbereitet.
Ich nutze den Morgen, um ein Video zu schneiden. Es dauert nicht lange, bis Kevin mich ruft – die technische Abnahme steht an. Die Prüfer kommen in die Box, um die Motorräder zu inspizieren. Danach geht es in die Technical Bay (Parc fermé) – nicht zu verwechseln mit Baywatch – für die Lautstärkenmessung und das Wägen. Bei der Lärmmessung dürfen bei 5500 Umdrehungen die 105 dB nicht überschritten werden. Nach dem Rennen darf das Motorrad 3 dB lauter sein. Jeder Auspuff, auch die als Ersatz mit dabei sind, müssen geprüft werden. Das minimale Gewicht wird ebenfalls nicht unterschritten, und so ist alles in Ordnung. Sie bekommen einen Kleber mit einer Prüfnummer. Nun dürfen theoretisch beide Motorräder an den Start. Es ist jedoch bereits klar, welches Motorrad am Samstag eingesetzt wird. Das andere muss innerhalb der ersten Runde des Rennens ausserhalb der Box sein. Dort wird es dann auch gleich von Fäbu und Küsu auseinandergenommen, denn dieses Motorrad dient ab diesem Zeitpunkt als Ersatzteillager.
Zu Mittag gibt es Bratwurst mit Nudeln und Zwiebelsauce – herrlich wie immer. Nach der Mittagspause schneide ich das Video fertig, bevor wir für die Parade in die Stadt fahren. Einer unserer Fahrer, Nico, wird die etwa acht Kilometer lange Parade fahren, die von der Rennstrecke in die Stadt führt.
In der Stadt angekommen, finden wir uns auf einem Platz mit vielen Absperrungen wieder. Die ersten Fans sind schon da. Auf dem Platz gibt es drei Quadrate, die abgesperrt sind. Dort fahren die Fahrer hinein, und die Fans stehen auf der anderen Seite der Gitter. So können sie von Team zu Team schlendern und Unterschriften sammeln.
Schon von Weitem ist das Brummen der Motoren zu hören, und dann sind sie da: die 60 Motorräder, begleitet von der Polizei. Dann beginnt die Suche nach unserem Motorrad. Es hat so viele Leute, und alle wollen zu den Fahrern – ich auch. Irgendwann finde ich den Eingang und das Team Bolliger. Die Jungs sind schon fleissig am Unterschreiben, und der Rest des Teams geniesst die Sonne. Für die Fans ist das Ganze ein Highlith. Auch für mich ich stand in schlagnähe zu van der MArk oder Reitenberger, die ich aus der WSBK kenne.
Nach der Autogrammstunde gehe ich mit den Fahrern zurück zum Auto, da sie noch einen Fototermin haben und sich umziehen müssen. Ich frage Alex, wie das für ihn ist – toll oder eher anstrengend? Er meint, beim ersten Mal feiert man das schon, aber inzwischen ist es nicht mehr so angenehm. Die Leute wollen einfach Unterschriften und interessieren sich nicht wirklich für den Fahrer, sie wissen ja nicht einmal, wie sie heissen. Ein Austausch sei eher selten. Auch Kylian stelle ich die Frage. Er grinst und meint, ja, es sei ganz okay – „part of the game“.
Nachdem sie den Fototermin mit allen anderen Fahrern, die beim 24-Stunden-Rennen starten, hinter sich haben, müssen sie weiter zur Fahrerbesprechung, und wir fahren zurück auf die Rennstrecke, nach Hause in die Box. Dort sind die anderen gerade dabei, die Ersatzverschalungsteile mit den entsprechenden Klebern zu versehen. Jede Front, jedes Seitenteil und jedes Heck muss gleich aussehen – und dafür sorgt das Team mit grösster Sorgfalt.
Nach dem NAchtessen geht es zurück in die Box und es wird weiter gearbeitet, bis das Feierabendbier ruft.
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