Le Mans mit dem Team Bolliger - es geht los

Heute ist der zweite Tag in Le Mans. Gestern wurde die Box aufgebaut, am Sonntag war die Anreise und Samstag wurde alles eingepackt. Am Morgen um 7:30 gab es Frühstück, und um 22 Uhr waren wir nahezu fertig. Diese Arbeit hatte ich unterschätzt. Schon beim Einladen am Samstag war ich überrascht, was man für ein 24 Stunden Rennen in Le Mans alles mitnehmen muss. Unzählige Kisten für das Wohl der Motorräder, aber auch des Teams.

Es ist Dienstag, der 14.4., 6:40, der Wecker klingelt. Wir schlafen in einem Container auf Feldbetten, und dementsprechend war ich froh, den Wecker zu hören, endlich aufzustehen. Aber nicht nur der schlechte Schlaf holte mich aus dem Bett, auch der heutige Programmpunkt: Heute findet das erste Training für das 24 Stunden Rennen in Le Mans statt. Emotional gesehen der schmutzige Donnerstag (Fasnachtsstart) von Le Mans. Doch zuerst ging es ins Cateringzelt, hier war von Michu und seinem Team, Chrigu und Benno, das Morgenessen schon vorbereitet, und wir konnten unsere Mägen füllen.

Lange hielt es mich nicht im Cateringzelt, ich wollte los. Die Box ist keine fünf Minuten vom Cateringzelt entfernt, und so war ich bald bei den Motorrädern. Es war noch nicht viel los, einzelne Teammitglieder huschten, noch ein wenig verschlafen, durch die Box. Und in solchen ruhigen Momenten wird mir bewusst, wo ich mich befinde. Lange träumte ich davon, in einer solchen Box zu stehen und einfach dabei zu sein, und nun ist es so weit. Es kann sein, dass ich die eine oder andere Freudenträne unterdrücken musste.

Küsu ist einer, der schon vor mir in der Box war. Er ist der Dienstälteste und startet mit Le Mans seine sage und schreibe 39. Saison. Auf meine Frage, ob er noch nervös sei vor solch einem Testtag, meinte er: «Nervös nicht, aber angespannt vielleicht, beim Rennen dann schon eher.» Das konnte ich nicht behaupten, denn ich war richtig nervös und voller Vorfreude. Um mich etwas abzulenken, packte ich meine Kamera und begab mich in die noch leere Boxengasse. Ein Tor nach dem anderen öffnet sich, und die ersten Motoren sind zu hören, das Herz geht auf, die Mundwinkel gehen hoch, und eine absolute Zufriedenheit macht sich breit.

Dann ist es so weit, genau um 9 Uhr ist das schrille Signal zu hören, und die Motorräder fahren raus, auch Thöni mit dem Bolliger Motorrad. Nun geht es los, zuschauen und geniessen. Das ist etwa so, wie wenn ich zu Hause auf dem Balkon stehe und auf die Strasse runtersehe, das könnte ich stundenlang tun. Und das tat ich auch, nicht stundenlang, aber immer wieder. Dazwischen machte ich Fotos und Filme, um ja nichts zu verpassen, was ich festhalten will.

Wenn ich nicht gerade für Bilder unterwegs bin, frage ich mich durchs Team, um möglichst alles zu erfahren und zu verstehen. Ich muss zugeben, dass mir hier das Zuhören deutlich einfacher fällt als an anderen Orten. Es ist auch toll, wie sich alle, trotz Betrieb, Zeit nehmen und mir ihr Wissen weitergeben.

Pünktlich um zwölf Uhr gibt es im Cateringzelt Mittagessen, ei hatte ich Hunger. Ich setzte mich zu Remo, er ist Tanker, an den Tisch. Dazu gesellten sich die französisch sprechenden aus dem Team. Oui j'étais überfordert avec le Gespräch. Den Kaffee genoss ich wieder in der Box, das Wohnzimmer des Teams. Ich bereitete die Kameras vor und lud die Bilder vom Morgen auf den PC. Dann ging es wieder los. Die Fahrer gingen raus und ich hoch, hoch auf die Tribüne. Von da hat man einen super Ausblick über den Startzielbereich.

Während einer Pause in der Box erklärte mir Domä, LKW Fahrer und Reifenverantwortlicher, dass es neben dem «normalen»(goldig) Tank noch einen kleineren Warmlauftank(silber mit 8) gibt. Der Name ist Programm, er wird nur für das Warmlaufen in der Box verwendet, sobald das Motorrad rausgeht, wird auf den normalen Tank gewechselt. Aber auch dieser ist alles andere als normal, siehe unten. So kann ganz genau definiert werden, wie viel Benzin im Betrieb verbraucht wird. Danach ging es wieder los, auf die Suche nach einem neuen Spot, um noch bessere Aufnahmen machen zu können.

Kaum war ich zurück, sass ich schon in der Fahrerbesprechung. Kevin, Kevin Bolliger, meinte, ich solle doch mal zuhören, wie es da zu und her geht. Jeder Fahrer erzählte, wie sich das Motorrad anfühlt. Anhand einer Skizze der Strecke können sie ganz genau zeigen, wo welche Probleme und Schwierigkeiten auftreten. Kevin schreibt das Gesagte dann in das Protokoll(siehe unten) und bespricht dies mit Marco, er ist für die Elektronik und das Data Recording zuständig. Auch er war bei der Fahrerbesprechung dabei. Aus diesem Gespräch ergibt sich dann eine Entscheidung, was getan werden muss. In diesem Fall ging die Veränderung so schnell, dass ich sie leider fotografisch nicht festhalten konnte.Es hat jedoch dazu geführt, dass wir uns von Platz 15 auf Platz 11 verbessert haben. Das bedeutet, man hat bei der Rundenzeit eine halbe bis ganze Sekunde herausgeholt.

Jeder Reifenhersteller hat hier ein Zelt, in dem sie Reifen montieren. Wir gingen mit unseren Felgen zu Pirelli. Man bringt die alten Reifen aber auch die die man testete und die scheisse waren mit den Felgen zurück und erhält sie neu bereift. Sehr praktisch, finde ich.

Kaum zurück stand auch schon der Pitstop auf dem Programm. Mamamia geht das schnell. Ein guter Boxenstopp mit Reifen wechseln und Tanken sollte zwischen 15 und 17 Sekunden dauern. Ich sah die Schlagschrauber die Pneumatisch betrieben waren und fragte mich wieso man nicht solche verwendet die mit Akkus betrieben werden. Keine stolperfallen und es kann kein Schlauch davonfliegen. Die Antwort ist einfach, die Akkuschlagschrauber sind zu langsam.

Ein intensiver, emotionaler und interessanter Tag geht nun zu Ende. Jetzt gibt es gleich Abendessen und danach noch ein Feierabendbier. Schönä Obä!




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