Rückblick und Ausblick mit dem Team Bolliger Teil 2

Ich hatte viele Fragen und Kevin Bolliger hat mir ausgiebig geantwortet, deshalb kommt hier der zwei Teil des Interviews.

Was waren die Herausforderungen in der vergangen Saison?
Wir haben letzten Winter neue Elektronik angeschafft. Sind in Valencia die ersten Tests gefahren und waren relativ schnell auf einem guten Niveau. Danach kam das Typisch Pareto-Prinzip, 80 20. Wir hatten mit 20 Prozent Aufwand 80 Prozent erreicht und dann kommen die letzten 20 Prozent die du mit 80 Prozent Aufwand erreichen musst. Und dieses Prinzip hat gnadenlos zugeschlagen. Wir waren schnell vorwärtsgekommen aber irgendwann hat es stagniert und an diesem Punkt musste man einfach dranbleiben und an der Elektronik arbeiten, bis es funktionierte. Wir mussten Kurse besuchen, das ganze analysieren und studieren. Das musste ich zum Glück nicht allein machen, da habe ich zwei Helfer im Team, die einen sehr guten Job gemacht haben. An diesem Punkt ist wieder einmal mehr kämpfen und nicht aufgeben im Vordergrund. Das schwierige dieses Jahr war sicher, dass wir den ersten Teil der Saison mit einer komplett neuen Elektronik fahren mussten. Ich wage behaupten zwischen Le Mans und Spa konnten wir einen grossen Schritt machen, auch dank einem Zwischentest in Mirecourt. Da war ein Mitentwickler der Elektronik dabei, was unseren zwei Technikern enorm half. Spa war ein schwieriges Rennen, Barcelona war ein rennen wie es im Bilderbuch steht, Bol d’Or war durch ein Update wieder schwierig und ich bin zuversichtlich, dass wir in Le Mans nächstes Jahr schlagkräftiger sein werden, wie wir es dieses Jahr waren.

Vor einem Jahr hattest du als Ziel eine Top 5 Platzierung für die Saison 2025. Dafür fehlten nun, am Ende der Saison, 7 Punkte. An was lag das?
Dafür kann vieles verantwortlich sein. Einfach heruntergebrochen, vielleicht hätte man nicht nach Barcelona sollen, sondern nach Suzuka. Vielleicht hätte es da 8Punkte gegeben, es wären teure investierte Punkte gewesen, ganz klar. Ganz klar Barcelona hat auch gekostet, da sind wir nicht gratis gefahren. Hätte man das Geld von Barcelona in Suzuka investiert, hätte man immer noch nicht gewusst was passiert wäre dort. Vielleicht wären wir mit einem verschlagenen Motorrad nach Hause gekommen und es wäre noch teurer gewesen, ohne Punkte. Hätten wir die fünf Stürzte in Le Mans nicht gehabt, wären wir unter Umständen auch ein paar Plätze weiter vorne gewesen und wir hätten ein paar mehr Punkte geholt. Das gleiche gilt für das Rennen in Bol d’Or. Wir hätten nicht mehr Punkte geholt aber wir hätten zwischenpunkte geholt. Ja wir haben das Ziel verfehlt, aber es ist sicher ein super 7. Rang in der EWC-Tabelle.

Du hast Suzuka erwähnt, ist das nächstes Jahr auf dem Plan, weiss man das schon?
Es war auch in der vergangenen Saison auf dem Plan, es ist eigentlich immer auf dem Plan. Die Verhandlungen laufen nie ohne Suzuka. Da sind klar Entscheidungen dahinter, wenn wir uns dagegen entscheiden. In der vergangen Saison haben wir in die Elektronik investiert, die hat sehr viel Geld gekostet und diese Geld fehlte damit wir nach Suzuka hätten gehen können. Gelichzeitig fehlte die Erfahrung mit der Elektronik, in Suzuka war Pirelli nicht anwesend und wir sind ein Pirelliteam und deshalb haben wir uns in diesem Jahr gegen Suzuka entschieden.
Als wir in der vergangene Saison in Barcelona auf dem Podest standen, hat mir Eduard Català(Teamchef vom Team Kawasaki Català Aclam), der dritt Platzierte, auf die Schulter geklopft und gesagt: «nächstes Jahr versuche ich zu gewinnen und dann muss sich dann das Team Bolliger mit dem zweiten Paltz zufrieden geben». Ich antwortete ihm «nächstes Jahr darfst du gewinnen und wenn du willst, darfst du meine Fahrer haben, weil wir nicht in Barcelona an den Start gehen werden, wir wollen nach Suzuka gehen! Die Fahrer wären also an diesem Wochenende frei». Wir wollen dieses Jahr nach Suzuka, das haben unserer Fahrer verdient.

Du hast gerade die Fahrer angesprochen, das waren dieselben wie letztes Jahr, richtig?
Ja.

Welche besonderen Stärken haben die einzelnen Fahrer – und welche davon tragen besonders zum Erfolg des Teams bei?
Jeder Fahrer hat einen eigenen Charakter und jeder Fahrer müssen wir als Team so nehmen wie er ist, mit seinen Stärken und Schwächen. Wenn der eine unter Umständen, irgendwo eine Stärke oder Schwäche hat, dann ist es die Schwäche oder Stärke eines anderen Fahrers. Die haben alle nicht angefangen mit Langstreckenrennen, die starten mit Poketbike, Motocross oder Supermoto und dann sind sie in diese Szene reingerutscht durch Rookies Cup, nationale Meisterschaften und irgendwann war man verleibt in die Langstreckenrennen. Es waren alle mal Sprinter und jeder war in diesem Sinne ein Einzelkämpfer. Die muss man zuerst etwas formen und aufzeigen, wir sind ein Team, wir müssen mit einander arbeiten. Das ist manchmal das Schwierige, wenn du Fahrer hast, die das nicht loswerden können. Hatte ich in der Vergangenheit, in der vergangenen Saison aber definitiv nicht. Es ist wichtig, dass sie es unter einander gut haben, dass sie Miteinander irgendwo hingehen und aufeinander warten. Es sind die kleinen Dinge. Wenn einer übertrieben gesagt etwas am Machen ist, dass der andere ihm hilft und ihn unterstützt. So dass sie zusammen ein Team sind und Teamwork betreiben. Schlussendlich sind sie, wir als Team, nur so stark wie das schwächste Glied in der Kette. Zusammen können sie stärker werden und voneinander lernen. Und das ist der Schlüssel zum Erfolg, denke ich.

Was werdet ihr verändern, dass ihr nächstes Jahr noch schneller seid?
Ein Motorrad ist nie fertig. Hämpu(Vater und Teamgründer) sagte immer: «Wenn einer sagt, ein Motorrad ist perfekt, dann fährt er zu langsam». Ein Langstreckenmotorrad in dem Sinne ist nie fertig und wir haben immer wieder zwei drei Sachen. Wir können unter Umständen auch in der Box schneller werden oder einzelne Prozesse vereinfachen. Zum Beispiel beim Tanken, wenn wir da wieder eine Sekunde schneller sind auf 25 Boxenstopps, macht das wiederum 25 Sekunden aus und unter Umständen ist das wieder ein Platz. Besser werden kannst du immer. Man kann streiten an was es liegt, wir können stärker Motoren bauen, wir können die weltbesten Techniker arrangieren, wir können einen top Teammanager organisieren, einer der es besser macht wie ich. Ich kann aber auch schnellere Fahrer anheuern, du hast überall Potential. Am Schluss muss man sich fragen, will man das oder gibst du dich mit dem zufrieden wo du hast? Nicht dass ich mich mit einem 8. Platz zufriedengeben würde, wir gehen mit einem Ziel an die Rennen, wir wollen gewinnen. Ob ein Techniker der schon viele Jahre Erfahrung, dann den Unterschied macht, wenn er nicht ins Team passt oder man tuend die Motoren und er fliegt einem dann um den Kopf. Ich habe das Gefühl so wie wir aufgestellt sind kommt es gut aber wir haben sicher überall Potential und zwei drei kleine Sachen können wir verbessern. Es ist aber immer auch eine Geldfrage. Ich bin grundlegend sehr zufrieden mit dem Packet wie es dieses Jahr funktioniert hat.

Die Bilder sind vom Team Bolliger, Nilaus Räz, Sébastian Virieux und Marc Furrer und von mir.




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